Viele wollen nicht bis 67 arbeiten. Das ist möglich, kostet aber Geld: Für jeden Monat vor der Regelaltersgrenze sinkt die Rente dauerhaft. Ob sich der frühere Ruhestand lohnt, hängt davon ab, wie lange du die Rente beziehst und wie du die Lücke schließt. Dieser Ratgeber zeigt die Regeln und rechnet Beispiele durch.
Inhalt
Wann du früher in Rente gehen kannst
Die Regelaltersgrenze liegt für alle ab Jahrgang 1964 bei 67 Jahren. Früher geht es mit diesen Renten:
| Rentenart | Voraussetzung | Frühester Beginn ab Jahrgang 1964 |
|---|---|---|
| Altersrente für langjährig Versicherte | 35 Versicherungsjahre | ab 63, mit Abschlag |
| Altersrente für besonders langjährig Versicherte | 45 Beitragsjahre | ab 65, ohne Abschlag |
| Altersrente für schwerbehinderte Menschen | 35 Versicherungsjahre und Grad der Behinderung ab 50 | ab 62 mit Abschlag, ab 65 ohne |
| Erwerbsminderungsrente | gesundheitliche Gründe | jederzeit, mit Abschlag |
Für ältere Jahrgänge gelten Übergangsregeln mit etwas früheren Altersgrenzen. Deinen genauen Rentenbeginn findest du in deiner Renteninformation oder bei der Deutschen Rentenversicherung.
Was der Abschlag kostet
Ein Beispiel mit einer Rente von 1.600 € brutto zur Regelaltersgrenze und 20 Jahren Rentenbezug:
| Früher in Rente | Abschlag | Rente | Weniger im Monat | Weniger über 20 Jahre |
|---|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 3,6 % | rund 1.542 € | rund 58 € | rund 13.800 € |
| 2 Jahre | 7,2 % | rund 1.485 € | rund 115 € | rund 27.600 € |
| 3 Jahre | 10,8 % | rund 1.427 € | rund 173 € | rund 41.500 € |
| 4 Jahre | 14,4 % | rund 1.370 € | rund 230 € | rund 55.300 € |
Dazu kommt ein zweiter Effekt, den der Rechner nicht zeigt: Wer früher aufhört, zahlt weniger Jahre ein. Die Rente ist also nicht nur um den Abschlag niedriger, sondern auch, weil Entgeltpunkte fehlen.
Selbst ausrechnenRentenabschlag-Rechner ÖffnenAb wann sich der frühe Ruhestand nicht mehr rechnet
Wer zwei Jahre früher geht, bekommt in diesen 24 Monaten eine Rente, die er sonst nicht hätte. Im Beispiel sind das rund 35.600 €. Danach ist jede Monatsrente um 115 € niedriger. Nach etwa 26 Jahren ist der Vorteil aufgebraucht.
Wer mit 65 in Rente geht, müsste also über 90 werden, damit sich das Warten rein rechnerisch gelohnt hätte. Für viele ist der frühere Ruhestand deshalb finanziell vertretbar, wenn die niedrigere Rente zum Leben reicht. Das ist die eigentliche Frage.
Den Abschlag ausgleichen
Ab 50 kannst du bei der Deutschen Rentenversicherung eine Auskunft beantragen, wie viel du einzahlen musst, um den Abschlag ganz oder teilweise auszugleichen. Die Zahlung kannst du in Raten über mehrere Jahre verteilen.
Der Vorteil: Die Zahlungen zählen steuerlich zu den Altersvorsorgeaufwendungen und sind im Rahmen des Höchstbetrags absetzbar. Gehst du dann doch nicht früher in Rente, ist das Geld nicht verloren. Es erhöht deine Rente zusätzlich.
- Lohnt sich besonders, wenn du in den Jahren vor der Rente einen hohen Steuersatz hast
- Gut kombinierbar mit einer Abfindung, die du so steuermindernd einsetzen kannst
- Vorher prüfen, ob eine eigene Anlage oder eine Rürup-Rente für dich mehr bringt
Andere Wege, die Lücke zu schließen
- Teilrente: Du beziehst einen Teil der Rente und arbeitest in Teilzeit weiter. Seit 2023 darfst du bei einer vorgezogenen Altersrente unbegrenzt hinzuverdienen.
- Eigenes Vermögen: Mit einem Entnahmeplan überbrückst du die Jahre bis zur Regelaltersgrenze und gehst dann ohne Abschlag in Rente.
- Betriebsrente und private Vorsorge: Manche Verträge lassen sich ab 62 abrufen.
- Altersteilzeit: Wenn dein Arbeitgeber sie anbietet, kannst du den Übergang gleitend gestalten.
Was du außerdem bedenken musst
- Steuern: Für den Rentenbeginn 2026 sind 84 % der Rente steuerpflichtig. Je früher du gehst, desto niedriger ist der Anteil.
- Krankenversicherung: Für die Krankenversicherung der Rentner brauchst du genug Vorversicherungszeit. Sonst wirst du freiwilliges Mitglied.
- Arbeitslosigkeit vor der Rente: Wer vorher arbeitslos war, verliert unter Umständen Beitragsjahre für die Rente mit 45 Jahren.
- Hinterbliebene: Eine niedrigere Rente bedeutet auch eine niedrigere Witwen- oder Witwerrente.
Häufige Fragen
Wie hoch ist der Abschlag bei der Rente mit 63? +
Ab Jahrgang 1964 gehst du mit 63 vier Jahre vor der Regelaltersgrenze. Das ergibt 48 Monate mal 0,3 %, also 14,4 % Abschlag, lebenslang.
Kann ich mit 45 Beitragsjahren ohne Abschlag in Rente? +
Ja, mit der Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Ab Jahrgang 1964 geht das mit 65 ohne Abschlag. Früher geht diese Rente nicht.
Fällt der Abschlag weg, wenn ich 67 werde? +
Nein. Der Abschlag gilt dauerhaft, auch nach der Regelaltersgrenze und auch für eine spätere Witwen- oder Witwerrente.
Darf ich neben der vorgezogenen Rente arbeiten? +
Ja. Seit 2023 gibt es bei vorgezogenen Altersrenten keine Hinzuverdienstgrenze mehr. Auf das Gehalt zahlst du weiter Steuern und Sozialabgaben.
Lohnt sich eine Ausgleichszahlung? +
Oft ja, wenn du in den Jahren vorher einen hohen Steuersatz hast und gesund bist. Die Zahlung ist absetzbar und erhöht deine Rente, auch wenn du am Ende doch nicht früher gehst. Lass dir die Zahlen vorher berechnen.
Deinen früheren Ruhestand durchrechnen
Wir rechnen mit dir aus, wann du gehen kannst, was es kostet und wie du die Lücke mit Vermögen, Vorsorge oder einer Ausgleichszahlung schließt.
Kostenloses Gespräch buchenDieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Gesetzliche Regeln können sich ändern. Quellen: Sechstes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI), §§ 36, 37, 38, 77, 187a, 235, 236, Einkommensteuergesetz (EStG), § 22 Nr. 1.