Ab dem 1. Januar 2027 gibt es eine neue Form der geförderten Altersvorsorge: das Altersvorsorgedepot. Es löst die Riester-Rente für neue Verträge ab. Du legst Geld in Fonds oder ETF an, und der Staat zahlt Zulagen dazu. Hier erfährst du, wie das genau funktioniert und worauf du achten solltest.
Inhalt
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist ein Wertpapierdepot, das speziell für die Altersvorsorge gedacht ist. Anders als bei der Riester-Rente gibt es keine Pflicht zur Beitragsgarantie. Dein Geld kann also vollständig in Aktienfonds oder ETF fließen. Das erhöht die Chancen auf eine gute Rendite, bedeutet aber auch, dass der Wert schwankt.
Das Gesetz dazu, das Altersvorsorgereformgesetz, hat der Bundestag im März 2026 beschlossen. Der Bundesrat hat im Mai 2026 zugestimmt. Bestehende Riester-Verträge laufen ganz normal weiter.
So hoch sind die Zulagen
Der Staat fördert deine eigenen Einzahlungen in zwei Stufen. Auf die ersten 360 € im Jahr bekommst du 50 % dazu, auf alles darüber bis 1.800 € noch 25 %. Mehr als 1.800 € im Jahr kannst du zwar einzahlen, gefördert wird das aber nicht.
| Eigenbeitrag im Monat | Eigenbeitrag im Jahr | Grundzulage | Förderquote |
|---|---|---|---|
| 10 € | 120 € | 60 € | 50 % |
| 30 € | 360 € | 180 € | 50 % |
| 75 € | 900 € | 315 € | 35 % |
| 150 € | 1.800 € | 540 € | 30 % |
Für jedes Kind, für das du Kindergeld bekommst, gibt es zusätzlich bis zu 300 € im Jahr. Wer den Vertrag vor dem 25. Geburtstag abschließt, bekommt nach aktuellem Stand einmalig 200 € als Bonus für Berufseinsteiger. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 € im Jahr, also 10 € im Monat.
Gerade bei kleinen Beiträgen ist die Förderung also stark. Eine Familie mit zwei Kindern, die 150 € im Monat einzahlt, kann auf bis zu 1.140 € Zulagen im Jahr kommen.
Selbst ausrechnenAltersvorsorgedepot-Rechner ÖffnenWer gefördert wird
Der Kreis der Förderberechtigten ist deutlich größer als bei Riester. Unmittelbar gefördert werden nach aktuellem Stand:
- Arbeitnehmer, Auszubildende und alle, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
- Beamte, Richter und Soldaten
- Selbstständige und Freiberufler, neu ab 2027
- Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke, zum Beispiel Ärzte oder Anwälte, neu ab 2027
- Eltern in der Elternzeit und pflegende Angehörige
Ehepartner ohne eigene Förderberechtigung können mittelbar gefördert werden, mit einer geringeren Grundzulage. Wer schon eine volle Altersrente bezieht, kann kein neues Depot mit Förderung abschließen.
Kosten: Standardprodukt oder freie Auswahl
Anbieter müssen ein Standardprodukt anbieten. Dort sind die Kosten auf höchstens 1,0 % im Jahr begrenzt. Daneben darf es Depots mit freier Fondsauswahl geben. Dort gibt es keinen Kostendeckel, deshalb lohnt hier ein genauer Vergleich.
Kosten wirken über Jahrzehnte stark. Bei 150 € im Monat über 30 Jahre machen 0,5 % mehr Kosten im Jahr leicht einen fünfstelligen Betrag aus. Achte deshalb auf die Gesamtkosten, nicht nur auf die Fondskosten.
Steuern in der Anspar- und Auszahlphase
Während du einzahlst, bleiben Erträge im Depot steuerfrei. Deine Beiträge kannst du zusätzlich als Sonderausgaben absetzen. Das Finanzamt prüft dann automatisch, ob die Zulage oder der Steuervorteil für dich günstiger ist. Bei mittlerem und hohem Einkommen kann das noch einmal Geld bringen.
Im Alter ist die Auszahlung aus geförderten Beiträgen voll mit deinem persönlichen Steuersatz steuerpflichtig. Da der Steuersatz im Ruhestand meist niedriger ist als im Berufsleben, geht die Rechnung für viele trotzdem auf. Gesetzlich pflichtversicherte Rentner zahlen nach aktuellem Stand keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge darauf.
Auszahlung im Alter
Die Auszahlung beginnt frühestens mit 65 und spätestens mit 70. Du kannst wählen zwischen einem Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft, und einer lebenslangen Rente. Zu Beginn der Auszahlung darfst du bis zu 30 % des Kapitals auf einmal entnehmen.
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Dein Riester-Vertrag läuft weiter wie bisher. Du kannst ihn aber in ein Altersvorsorgedepot übertragen lassen. Wichtig: Kündige den Riester-Vertrag auf keinen Fall selbst. Bei einer Kündigung musst du die Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Der richtige Weg ist ein Übertragungsauftrag über den neuen Anbieter.
Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt vom alten Vertrag ab. Ältere Riester-Verträge haben teilweise einen hohen Garantiezins oder bereits bezahlte Abschlusskosten. Ein Wechsel kann dann mehr schaden als nützen. Lass das vorher prüfen.
Rechenbeispiel
Angenommen, du zahlst 30 Jahre lang 150 € im Monat ein, bekommst jedes Jahr 540 € Grundzulage und dein Depot bringt 6 % im Jahr bei 0,8 % Kosten. Dann hättest du nach 30 Jahren rund 165.000 € im Depot. Mit einem freien ETF-Sparplan und denselben eigenen Einzahlungen, aber ohne Zulage und mit 0,2 % Kosten, wären es rund 142.000 €.
Nach Steuern hängt das Ergebnis stark von deinem Steuersatz im Alter ab. Mit unserem Rechner kannst du deine eigenen Zahlen einsetzen und beide Wege vergleichen.
Für wen sich das Altersvorsorgedepot lohnt
- Für Familien mit Kindern, weil die Kinderzulage sehr hoch ist
- Für alle mit kleinen Sparbeträgen, weil die Förderquote bis 360 € im Jahr bei 50 % liegt
- Für Selbstständige und Beamte, die bisher wenig geförderte Möglichkeiten hatten oder sie nicht genutzt haben
- Weniger für Menschen, die flexibel an ihr Geld kommen wollen, denn das Kapital ist bis zur Rente gebunden
Oft ist die Kombination sinnvoll: Das Altersvorsorgedepot bis zur Höhe, bei der die Zulage am stärksten wirkt, und daneben ein freier ETF-Sparplan, auf den du jederzeit zugreifen kannst.
Häufige Fragen
Ab wann kann ich ein Altersvorsorgedepot abschließen? +
Die neuen Verträge gibt es ab dem 1. Januar 2027. Anbieter wie Banken, Fondsgesellschaften und Versicherer bereiten ihre Angebote gerade vor.
Wie hoch ist die maximale Zulage? +
Die Grundzulage beträgt höchstens 540 € im Jahr bei 1.800 € Eigenbeitrag. Dazu kommen bis zu 300 € je Kind mit Kindergeld und einmalig 200 € für Berufseinsteiger unter 25.
Bekommen Beamte die Förderung? +
Ja. Beamte, Richter und Soldaten gehören zu den unmittelbar Förderberechtigten.
Kann ich das Geld vor der Rente entnehmen? +
Grundsätzlich nein. Das Kapital ist für die Altersvorsorge gebunden. Wer vorher an das Geld will, verliert die Förderung.
Kann ich den Anbieter wechseln? +
Ja. Nach aktuellem Stand ist ein Wechsel bei Verträgen, die älter als fünf Jahre sind, kostenfrei. Bei jüngeren Verträgen sind Gebühren in begrenzter Höhe erlaubt.
Soll ich meinen Riester-Vertrag kündigen? +
Nein. Bei einer Kündigung gehen Zulagen und Steuervorteile verloren. Wenn ein Wechsel sinnvoll ist, läuft er über eine Übertragung zum neuen Anbieter.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für dich?
Wir prüfen deine Förderberechtigung, deinen bestehenden Riester-Vertrag und rechnen mit dir durch, welche Aufteilung zu dir passt.
Kostenloses Gespräch buchenDieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Gesetzliche Regeln können sich ändern. Quellen: Altersvorsorgereformgesetz (BGBl. I 2026 Nr. 156), Informationen des Bundesfinanzministeriums.