Viele Menschen sparen jahrzehntelang und wissen dann nicht, wie sie das Geld wieder ausgeben sollen. Zu viel entnehmen heißt, dass das Vermögen zu früh aufgebraucht ist. Zu wenig entnehmen heißt, dass du dir im Ruhestand weniger gönnst als möglich. Ein Entnahmeplan bringt beides in ein Gleichgewicht.
Inhalt
Was ein Entnahmeplan ist
Bei einem Entnahmeplan verkaufst du jeden Monat so viele Anteile deines Depots, dass ein fester Betrag auf deinem Konto landet. Der Rest bleibt angelegt und arbeitet weiter. Viele Banken bieten das automatisch an, du kannst die Verkäufe aber auch selbst auslösen.
Der Vorteil: Du bleibst flexibel. Du kannst die Rate jederzeit ändern, eine größere Summe entnehmen oder das Vermögen vererben. Der Nachteil: Niemand garantiert dir, dass das Geld bis zum Lebensende reicht.
Wie lange 300.000 € reichen
Ein Beispiel mit 300.000 € Startvermögen, 4 % Rendite im Jahr und einer Entnahme, die jedes Jahr um 2 % mit der Inflation steigt:
| Entnahme im Monat | Entnahmerate im ersten Jahr | Das Geld reicht |
|---|---|---|
| 1.000 € | 4 % | rund 34 Jahre |
| 1.250 € | 5 % | rund 25 Jahre |
| 1.500 € | 6 % | rund 20 Jahre |
| 2.000 € | 8 % | rund 14 Jahre |
Schon ein paar hundert Euro mehr im Monat verkürzen die Laufzeit um viele Jahre. Willst du 25 Jahre lang entnehmen, sind in diesem Beispiel am Anfang rund 1.260 € im Monat möglich.
Selbst ausrechnenEntnahmeplan-Rechner ÖffnenWas Rendite und Inflation ausmachen
Wie lange das Geld reicht, hängt stark davon ab, was das Vermögen im Ruhestand noch erwirtschaftet. Dasselbe Beispiel mit 1.500 € im Monat:
| Annahme | Das Geld reicht |
|---|---|
| 2 % Rendite, Entnahme steigt mit 2 % | rund 17 Jahre |
| 4 % Rendite, Entnahme steigt mit 2 % | rund 20 Jahre |
| 6 % Rendite, Entnahme steigt mit 2 % | rund 27 Jahre |
| 4 % Rendite, Entnahme bleibt gleich | rund 27 Jahre |
Wer sein ganzes Vermögen im Ruhestand aufs Tagesgeld legt, gibt viel Laufzeit her. Wer die Inflation nicht einplant, rechnet sich die Lage zu schön: 1.500 € sind in 20 Jahren bei 2 % Inflation nur noch so viel wert wie heute rund 1.000 €.
Das größte Risiko: Kursstürze am Anfang
Der Rechner geht von einer gleichmäßigen Rendite aus. In echt schwanken die Kurse. Fallen sie in den ersten Jahren des Ruhestands stark, musst du für dieselbe Entnahme mehr Anteile verkaufen. Diese Anteile fehlen, wenn sich die Kurse später erholen. Fachleute nennen das Reihenfolgerisiko.
Dieselbe Durchschnittsrendite kann deshalb sehr unterschiedliche Ergebnisse bringen, je nachdem, ob die schlechten Jahre am Anfang oder am Ende liegen.
- Puffer anlegen: Halte die Entnahmen für ein bis drei Jahre auf Tagesgeld oder Festgeld. In schwachen Börsenjahren entnimmst du von dort und verkaufst keine Aktien.
- Mischung anpassen: Ein Teil in Anleihen oder Geldmarkt senkt die Schwankungen.
- Flexibel bleiben: Wer in schlechten Jahren die Entnahme etwas senkt, verlängert die Laufzeit deutlich.
Steuern auf die Entnahme
Steuern zahlst du nur auf den Gewinnanteil der verkauften Anteile, nicht auf das eingezahlte Geld. Bei Aktien-ETFs sind davon 30 % steuerfrei, der Rest unterliegt der Abgeltungsteuer. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € im Jahr, bei Verheirateten 2.000 €, bleibt steuerfrei.
Gerade in den ersten Jahren besteht jede Entnahme zu einem großen Teil aus eingezahltem Geld. Die Steuerlast ist deshalb oft niedriger, als viele erwarten.
Entnahmeplan oder private Rente
Eine private Rentenversicherung zahlt dir lebenslang einen Betrag, egal wie alt du wirst. Dafür ist das Geld gebunden, und wer früh stirbt, bekommt weniger heraus, als er eingezahlt hat. Ein Entnahmeplan ist flexibel und vererbbar, aber endlich.
Für viele ist eine Mischung sinnvoll: Die festen Ausgaben deckt eine lebenslange Rente, etwa die gesetzliche Rente, eine Betriebsrente oder eine Rürup-Rente. Den Rest für Reisen, Hobbys und Wünsche zahlt der Entnahmeplan.
Typische Fehler
- Mit einer zu hohen Rendite rechnen und dann die Entnahme nicht anpassen
- Die Inflation vergessen, obwohl der Ruhestand 25 Jahre oder länger dauern kann
- Das ganze Vermögen in Aktien lassen, ohne Puffer für schwache Börsenjahre
- Das ganze Vermögen aus Angst aufs Tagesgeld legen und so Laufzeit verschenken
- Kranken- und Pflegeversicherung und größere Ausgaben wie ein neues Auto nicht einplanen
Häufige Fragen
Wie viel kann ich monatlich aus meinem Vermögen entnehmen? +
Als vorsichtige Faustregel gelten 3 bis 4 % des Vermögens im ersten Jahr, danach steigend mit der Inflation. Bei 300.000 € sind das 750 bis 1.000 € im Monat. Wie viel genau passt, hängt von Dauer, Rendite und deinen übrigen Einkünften ab.
Was ist die 4-%-Regel? +
Sie stammt aus Studien mit US-Daten. Wer im ersten Jahr 4 % entnahm und die Entnahme dann mit der Inflation erhöhte, kam in den meisten historischen Zeiträumen 30 Jahre lang aus. Für längere Zeiträume rechnen viele mit 3 bis 3,5 %.
Ab wann sollte ich mit dem Entnahmeplan beginnen? +
Meist mit Beginn des Ruhestands. Schon ein paar Jahre vorher lohnt es sich, den Puffer auf dem Tagesgeld aufzubauen und die Mischung im Depot anzupassen.
Was passiert mit dem Restvermögen, wenn ich sterbe? +
Es gehört zu deinem Nachlass und geht an deine Erben. Das ist ein Unterschied zur privaten Rentenversicherung, bei der das Geld oft beim Versicherer bleibt.
Muss ich meinen Entnahmeplan in der Steuererklärung angeben? +
Bei einer deutschen Bank in der Regel nicht. Sie führt die Abgeltungsteuer auf die Gewinne automatisch ab. Liegt dein Steuersatz unter 25 %, kann sich die Günstigerprüfung in der Steuererklärung lohnen.
Deinen Ruhestand durchrechnen
Wir rechnen mit dir aus, wie gesetzliche Rente, Vorsorge und Vermögen zusammenspielen und welche Entnahme zu dir passt.
Kostenloses Gespräch buchenDieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Beratung. Gesetzliche Regeln können sich ändern. Quellen: Einkommensteuergesetz (EStG), § 20 und § 32d, Investmentsteuergesetz (InvStG), § 20.